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Gesetzentwurf zum Anlegerschutz

Die Bundesregierung hat am 24. September einen Gesetzentwurf zum Anlegerschutz beschlossen, der insbesondere für offene Fonds bedeutende Veränderungen bringen soll. Im Folgenden werden die wichtigsten geplanten Neuerungen dargestellt.

Es soll eine Mindesthaltefrist von zwei Jahren für Neuanleger eingeführt werden. Dadurch soll die zeitliche Kluft, die sich zwischen der langfristigen Investition in Immobilien und der jederzeitigen Verfügbarkeit über die Anlage aufgetan hat, abgemildert werden. Die Kapitalanlagegesellschaft soll mindestens für zwei Jahre fest mit den angelegten Mitteln rechnen können um Aussetzungen der Anteilrücknahmen zu vermeiden.

Über die zweijährige Bindung an den offenen Immobilienfonds hinaus, soll für die darauf folgenden zwei Jahre ein Halteanreiz geschaffen werden. Dieser soll durch Abschläge auf den Anteilspreis bei Rücknahmen entstehen. So muss bei einer Anteilsrücknahme im dritten Jahr ein Abschlag von zehn Prozent und im vierten Jahr von fünf Prozent geduldet werden. Lediglich eine Rückgabe von Anteilen im Wert von 5.000 € ist monatlich abschlagsfrei und ohne Mindesthaltefrist möglich. Diese begrenzte Rückgabe ist aber aufgrund des geringen Betrags für Großinvestoren praktisch bedeutungslos.

Für Altanleger gilt die Mindesthaltefrist von zwei Jahren mit Inkrafttreten der Gesetzesänderung als abgelaufen. Sie sind aber in den folgenden zwei Jahren genauso wie Neuanleger den prozentualen Abschlägen bei der Anteilsrücknahme unterworfen.
Künftig ergeben sich daher für Großanleger zwei Möglichkeiten. Einerseits könnte sich eine Mindesthaltedauer von vier Jahren etablieren, andererseits könnten Großanleger den offenen Immobilienfonds künftig fern bleiben.

Eine weitere von der Bundesregierung beabsichtigte Neuerung sind kürzere Bewertungsabschnitte. Momentan müssen Immobilien, die von einem offenen Immobilienfonds gehalten werden, jährlich von einem Gutachter bewertet werden. Künftig sollen Bewertungen mindestens zwischen zwei Rücknahmeterminen erfolgen. Der kürzeste Bewertungszeitraum kann aber höchstens einen Monat betragen.

Wird das Gesetz in der jetzt vorliegenden Fassung beschlossen, bleibt abzuwarten, ob ein möglicher Rückzug von Großinvestoren aus offenen Immobilienfonds nicht auch dazu führt, dass das Ziel des Gesetzentwurfs - der Anlegerschutz - verfehlt wird.

Eingestellt am: 17.11.2010